Cachen im Osten 1

So, zunächst mal sei gesagt: Auch im Osten gibt es scheinbar Geocacher, aber wohl deutlich weniger als bei uns im verwöhnten Frankenland und die werden auch alle viel seltener gefunden. Nun gut, das Drama mit der Route wurde ja schon anderweitig beschrieben und so blieb es auf der Fahrt auch nur bei wenigen Abstechern. Der erste war aber noch in Franken, genauer gesagt bei Coburg. HansHans‘ Earthcache an der ehemaligen Ziegeleigrube (GC22A3D) war genau der richtige Einstand. Traumhaftes Wetter und eine schöne Location, da hat das Fotografieren mal wieder richtig Spaß gemacht. Der Tradi vor Ort wurde auch gleich entdeckt und so ging es zurück auf die A73 Richtung Suhl. Nach einem kurzen Stück A71 folgten wir schließlich der B19 Richtung Eisenach. Aber zuerst wollten wir Meiningen unsicher machen, was uns leider nicht so wirklich gelang. Perestroika lag zwar in der Nähe unserer Route, aber halbverfallene, frisch eingezäunte Bruchbuden in einem Wohngebiet bei Tag, nein Danke. Muss halt der Earthcache dran glauben. Ja, nix wars, hallo Umweg, eventuell auf der Heimfahrt dann. Fahren wir doch einfach da vorne zum Mc Donald’s und essen eine Kleinigkeit zu Mittag. Das Schild „Einfahrt“ zeigt einen sicherlich, wo man rein muss. Nun, das tuts auch, hilft einem nur nichts bei einer Einfahrt, die entgegengesetzt zur Fahrtrichtung verläuft und 180° Drehungen auf stark befahrenen Bundesstraßen? Auch das lassen wir lieber mal. So kamen wir dann irgendwann zu unserem ersten Tradi an der Strecke: „Begehbare Reichsbrücke“. Die Reste einer nie vollendeten Autobahnbrücke. Interessant zum ansehen, der Cache selbst, nun ja. Brennessseln, Müll und, trotz t2-Wertung Kletterei und das alles dann für einen Micro, obwohl es doch so viel Platz gegeben hätte. Sehr schade! Weiter ging es zu einem kleinen, unscheinbaren Soldatengrab, was recht unauffällig direkt neben der Straße am Waldrand liegt (GC22J3X). Ohne Geocache kommt man als Durchreisender wohl kaum auf die Idee, hier zu halten, dafür sieht man das Örtchen von der Straße aus zu schlecht.
Mit großen Schritten näherten wir uns nun Eisenach. An der „Hohen Sonne“ wurde noch mal kurz Rast eingelegt und wir entschlossen uns spontan, den wunderschönen Earthcache „Drachenschlucht“ zu begehen. Auch wenn es körperlich wirklich anstrengend war (schließlich musste ja zumindest einer wieder hoch zum Auto), hat es sich wirklich gelohnt, hier zu halten und uns durch die Schlucht zu kämpfen. Für alle, die es uns gleich tun möchten: Zieht anständige Schuhe an! Was uns Leute mit Stoffschuhen, Sandalen oder gar barfuß entgegen kamen … Die Schlucht ist stellenweise glitschig, matschig, nass, steinig und unwegsam, festes Schuhwerk erleichtert da so einiges. Nachdem die Verwandtschaft schon mit den Füßen trampelte, wo wir denn blieben, ging es danach erstmal nach Eisenach ins Hotel, überflüssiges Gepäck los werden und danach zur Fast-Schwägerin „Hallo sagen“. Da wir in Eisenach selbst noch etwas zu erledigen hatten (was gar nicht so einfach war, hier werden die Gehsteige am Samstag ab 16 Uhr konsequent hochgeklappt), ging ich noch zwei Caches an, die alulein bei ihrem letzten Besuch schon absolviert hatte. „Verschnaufpause“ war zwar für den erfahrenen City-Cacher (*hust*) schnell zu finden, aber die magnetische Box in Spielkartengröße war doch mal etwas neues, würde gerne wissen, was hier zweckentfremdet wurde. Danach folgte noch ein kleiner Kennenlern-Multi durch Eisenach mit einem echt frechem und tollem Finalversteck. Anschließend war dann aber erstmal Schluss und es gab Pizza zum Abendessen. :) Am Sonntag war dann das Ereignis, für welches wir die beschwerliche Reise eigentlich auf uns genommen hatten: Die Konfirmation der Nichte meiner Freundin. Vorweg gesagt, als Katholik war ich enttäuscht, wie öde so ein Gottesdienst sein kann. Wir sind ja sicherlich nicht verwöhnt mit unseren steifen, konservativen Priestern, immer die Lobgesänge über die modernen, peppigen evangelischen Pastoren im Ohr, nun, in Eisenach ist das scheinbar umgekehrt. Wenn ich die Konfirmation dort mit den letzten Kommuniongottesdiensten vergleiche, die ich beruflich über mich ergehen lassen musste, dann sind die Katholiken ja schon fast modern und weltoffen. Aber hier geht’s nicht um Religion, sondern um Geocachen und so nahmen wir vor der Kirche noch schnell den i-Punkt mit. Am Abend dann ging es mit der Nichte und einer Freundin noch mal in die Stadt, um zwei Kurzmultis erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Senf oder Ketchup und Junker Jörg wurden fast gleichzeitig absolviert. Stage 1 vom Senf erforderte etwas Suche, dann hatten wir die Finalkoordinaten in der Hand, 28m daneben (hallo an die Abstandsregel) war Jörgs erste Stage auch schnell geknackt. So ging es dann erstmal zum Senffinal, auf der Suche nach einem Small machten wir uns an den typischen Wurzelhöhlen des Baumes direkt neben den Koordinaten zu schaffen, da wir aber einfach nicht fündig wurden, zogen wir immer weitere Kreise und näherten uns auch immer mehr dem Bach, der laut Hinweis aber nicht betreten werden musste. Schließlich fand ich eine passende, schwarze Plastikbox, die offen an der Böschung lag, sich aber weigerte, mit mir zu kommen. Nach etwas zerren und dem Versuch, den Deckel zu öffnen, entdeckte ich dann den halbverwitterten Aufkleber mit der durchgestrichenen Ratte drauf. Jackpot, eine Köderbox. So langsam gingen uns die Ideen aus, die Zeckendichte nahm zu und kurz bevor wir aufgeben wollten, entdeckte ich dann das kleine Micro (!!) Döschen. Aber Junger Jörg wollte ja auch noch vollendet werden. Dank zwei Eisenacher Mädels im Schlepptau fanden wir zu Stage 2 auch ohne GPS, nur vor Ort gabs den gesuchten Hinweis leider nicht (mehr). Die helle Stelle an der Hauswand würde gut zu einer Infotafel passen. Aber für was gibt es inzwischen mobiles Internet und nach kurzer Recherche und Rechnerei ging es auf zum Final. Auch hier mussten wir auf Grund schlechter Koordinaten etwas länger suchen und fanden eine demolierte Plastikdose mit zwei Logbüchern und allerlei zusätzlicher Zettel, hier müsste mal aufgeräumt werden. Zwischenfazit: Die beiden Multis waren für einen Frankencacher doch etwas enttäuschend.
Montag, Tag der Heimreise und so versuchten wir noch den ein oder anderen Cache an der Strecke mitzunehmen. Aber zuerst ging es noch mal zu Fuß in den Wald an der A4 zu einem alten NVA-Beobachtungbunker, war zwar ein kleiner Bunker, trotzdem interessant anzusehen, ebenso die Reste des gesprengten Bismarckturmes in der Nähe (GC1FX5R & GC1V70R). Der von dort zu sehende Grenzbeobachtungsturm (ja, mitten in Thüringen) ist beim nächsten Besuch fällig. Dann ging es so langsam Richtung Heimat, kurz nach Eisenach liegt ein Drive-In Earthcache, der wurde natürlich eingesammelt und wir fuhren zielsicher zum Aufschluss am Bahnhof Förtha, immerhin kommt der Ersteller ja aus meinem Heimatort und so war der „bedeutenste Aufschluss Süd-Thüringens“ ja schon fast ein Pflichtbesuch. Hinterlistig getäuscht vom Namen folgte dann Geologisches Naturdenkmal Plasterkaute, leider gab es hier außer einem umzäunten und zugewuchterten Loch nicht wirklich viel zu sehen. Höhepunkt des Tages war dann das Große Armloch bei Meiningen, eine idyllisch im Wald gelegene Quelle, die zeitweise so arm an Wasser ist, dass nur ein Loch übrig bleibt. Im Anschluss ging es dann wieder auf die Autobahn, schließlich wollten wir ja auch mal wieder Richtung Heimat. Einen Abstecher gab es dann noch zu den Heldburgschichten Serrfeld, das kuriose an diesem Ort kann ich hier aber leider nicht erzählen, da es eine Logbedingung ist. Kurz vor der Autobahn noch ein Abstecher zum A73 TB Motel Oberfüllbach, schließlich hatten wir noch zwei Reisende, die auch weiterkommen wollten. Als wir die Dose gerade entdeckt hatten, kam schon der nächste Cacher an und so musste Spongebob gar nicht erst in die Dose, er durfte direkt ins Auto und wurde auf seinem Weg nach Italien immerhin bis München mitgenommen. Letzter Cache der Tour wurde ein Raststättentradi. Die Örtlichkeiten taugen ja meistens (wie auch hier) nichts, die Tarnung der Dose war dafür um so liebevoller.

Fazit des Ausfluges: Die Cachedichte und -qualität (zumindest bei denen, die wir gemacht haben) ist, bis auf wenige Ausnahmen niedriger als bei uns in Franken. Auch die Fundzahlen sind sehr niedrig und liegen teilweise mehrere Wochen auseinander. Ich werde mich jetzt hüten und Thüringen zum Cache-Entwicklungsland erklären, vielleicht haben wir auch nur die falschen erwischt, bei uns liegt ja auch genug Müll rum, mein begrenzter, subjektiver Eindruck war allerdings nicht sehr gut. Auch GC-Vote bietet hier nur begrenzt einen Anhaltspunkt, dafür gibt es einfach zu wenige Bewertungen.

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